Kongress-Untersuchung: Tinder und Hinge verbanden Nutzer mit 1,5 Millionen Betrügern und anderen schädlichen Akteuren

Kongress-Untersuchung: Fast 1,5 Mio. Betrügerkontakte auf Tinder und Hinge – Bericht kritisiert Match Group, Konzern weist Darstellung zurück.

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Kongress-Untersuchung: Tinder und Hinge verbanden Nutzer mit 1,5 Millionen Betrügern und anderen schädlichen Akteuren
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Im Verlauf der ersten neun Monate des Jahres 2025 kamen auf Tinder und Hinge fast 1,5 Millionen Betrüger und andere schädliche Akteure mit echten Nutzern in Kontakt. Das geht aus einer einjährigen Untersuchung des Joint Economic Committee des US-Kongresses zu den Betrugsschutzmaßnahmen von Match Group hervor.

Die Zahl, über die The Record berichtete, bezieht sich ausdrücklich auf Tinder und Hinge. Die Untersuchung umfasste allerdings auch Match, Plenty of Fish und weitere Dating-Dienste von Match Group. Aus der verfügbaren Berichterstattung geht nicht hervor, ob sich die 1,5 Millionen auf Konten, Profile oder Match-Ereignisse beziehen. Die Zahl lässt sich deshalb nicht als Anzahl unterschiedlicher Personen werten.

Match Group weist die Darstellung der Untersuchung zu den eigenen Sicherheitsinvestitionen zurück. Als Beleg für Verbesserungen während der Prüfung durch den Ausschuss verweist das Unternehmen auf ein biometrisches Verifizierungssystem und ein neueres KI-Modell zur Erkennung.

Tinder soll Betrügerprofilen größere Reichweite verschafft haben

Die Untersuchung befasste sich damit, wie Tinder verdächtige Betrügerprofile verbreitet hat, und nicht nur damit, ob die Plattform sie irgendwann entfernt hat.

Zwischen Mai 2024 und Dezember 2025 stieg laut dem Bericht die Zahl der Aufrufe eines Betrügerprofils im Median um mehr als 700 Prozent. Die Ermittler erklärten, Match Group habe gewusst, dass Tinder ein Profil eher anzeigt, wenn es zu „einem Betrüger oder anderen schädlichen Akteur und nicht zu einem regulären Nutzer“ gehört.

Diese mutmaßliche Sichtbarkeit ist relevant, weil sie den Kreis echter Nutzer erweitern kann, die einem betrügerischen Profil ausgesetzt sind. Ein Match allein belegt jedoch weder, dass ein finanzieller Betrug erfolgreich war, noch dass überhaupt ein Gespräch folgte.

Der Ausschuss kritisierte außerdem, dass Match Group Betrüger und Spam bei der Durchsetzung der Richtlinien gemeinsam behandelt. Der Bericht enthält Dutzende Schilderungen von Opfern, die über finanzielle und emotionale Schäden berichten. Eine Person gab gegenüber den Ermittlern an, dass sie nach ihrem Beitritt zu Tinder nach dem Tod ihres Mannes tausende Dollar an jemanden verloren habe, der immer wieder Notlagen erfunden habe, die Geld erforderten.

Tinder hat rund 50 Millionen monatliche Nutzer.

Kommission und Match Group streiten über Updates der Erkennungsmodelle

Interne Dokumente von Match Group hätten die Ermittler offenbar zu dem Schluss geführt, dass Tinder einige Modelle zur Betrugserkennung jahrelang nicht aktualisiert hat. Ein Vertreter von Match Group bezeichnete diese Behauptung als „falsch und irreführend“.

Der Bericht zitiert einen leitenden Forscher eines KI-Sicherheitsunternehmens, der sagte, Tinder müsse seine Machine-Learning-Modelle je nach Überwachungsinfrastruktur und anderen Leistungsmessungen mindestens monatlich neu trainieren. Nach Einschätzung des Forschers würde ein Nachtrainieren nur ein- oder zweimal pro Jahr darauf hindeuten, dass die Betrugserkennung nicht ernst genommen werde.

Laut dem Ausschuss folgte auf den Druck der Ermittler Anfang 2026 die Einführung eines neueren KI-Modells, das Profile auf mögliche Betrüger prüfen soll. Die Beschreibung dieser Einführung im Bericht enthält keine unabhängigen Leistungsergebnisse für das Modell.

Yoel Roth, leitender Mitarbeiter von Match Group, sagte gegenüber Recorded Future News, der Bericht stelle die Sicherheitsinvestitionen des Unternehmens und seine bestehende Arbeit gegen Betrug falsch dar. Match Group habe im vergangenen Jahr im Austausch mit dem Ausschuss „die größten Sicherheitsfortschritte in der Geschichte von Match Group“ erzielt.

Roth beschrieb Romance-Scams außerdem als ein Problem, das mehrere Online-Dienste betrifft, und sagte, Match Group unterstütze branchenübergreifende Bemühungen, dagegen vorzugehen.

Face Check verlangt Videoselfies von neuen Tinder-Nutzern

Match Group führte Face Check im Oktober 2025 ein. Das biometrische System verlangt von jedem neuen Tinder-Nutzer eine Videoselfie-Verifizierung. Roth sagte, Face Check werde inzwischen auch bei Hinge eingesetzt, der Bericht beschreibe jedoch nicht, welche Anforderungen dort gelten.

Match Group teilte den Ermittlern mit, dass Pilotprojekte in den USA die Interaktionen mit Betrugskonten um 70 Prozent verringert hätten. Die vom Unternehmen genannte Zahl nennt weder den Testzeitraum noch die Bezugsgröße, aus der die Reduzierung berechnet wurde.

Die Verifizierung kann ein Teil der Abwehrmaßnahmen einer Plattform sein. Die Aussagen der Opfer zeigen jedoch das Risiko, ein Profil oder einen Match als Beleg dafür zu nehmen, dass nachfolgende finanzielle Forderungen echt sind. Wiederholte Geldforderungen im Zusammenhang mit angeblichen Notfällen standen im Mittelpunkt der Schilderungen gegenüber den Ermittlern.

Vom Senat unterstützter Vorschlag würde Warnungen an frühere Kontakte vorschreiben

Senatorin Maggie Hassan (D-NH) sagte, Match Group habe Fortschritte gemacht, argumentierte aber, die Reaktion des Unternehmens habe zu lange gedauert. Zudem warnte sie, dass KI es erleichtern könne, gefälschte Profile in großem Umfang zu erstellen.

Hassan erklärte, der Senat habe den überparteilichen Gesetzentwurf H.R. 2481 (119. Kongress) im Vormonat einstimmig verabschiedet. Das Gesetz würde Dating-Apps verpflichten, Nutzer zu benachrichtigen, die mit einem Konto in Kontakt standen, das als Betrügerkonto identifiziert wurde, auch wenn dieses Konto bereits gesperrt wurde.

Die Benachrichtigungspflicht ist ein Gesetzesvorschlag und keine bereits geltende Vorgabe. Würde sie beschlossen, ginge die Reaktion einer Plattform über das Entfernen des verdächtigen Betrugskontos hinaus, weil auch Nutzer informiert würden, die bereits mit ihm in Kontakt gekommen waren.

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Quellen

Dieser Artikel ist eine eigenständige Aufbereitung auf Basis der folgenden Quellen.

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