Eine Phishing-Kampagne, die sich als Einladung zur Vorschau einer Anthropic-Technologie ausgibt, hat laut Befunden von Cofense, über die Dark Reading berichtete, Postfächer erreicht, die durch Proofpoint Secure Email Gateway und Microsoft Defender for Office 365 geschützt sind. Die Nachrichten zielen auf Zugangsdaten für Google- und Microsoft-Konten ab. Dafür nutzen sie legitime Webinar-Infrastruktur, verkürzte Links und CAPTCHA-Prüfungen, die helfen sollen, einer genauen Kontrolle zu entgehen.
Der bislang unbekannte Angreifer verschickt die E-Mails seit September weltweit. Empfängern wird eine angeblich exklusive Vorschau auf ein „neues KI-Tool für soziale Medien“ von Anthropic angeboten. Wie viele Konten dabei überhaupt kompromittiert wurden, geht aus den beschriebenen Befunden nicht hervor.
Obwohl die Nachrichten geschützte Postfächer erreichen, enthalten sie auffällige Ungereimtheiten. Der Absendername lautet „Austin from nthropic“, die Betreffzeilen enthalten einen grammatikalischen Fehler, und den E-Mails fehlt das Anthropic-Branding. Sie stammen von customercare@gotowebinar[.]com, einer legitimen gemeinsam genutzten Adresse, die GoTo-Webinar-Nutzer zum Versand von Webinar-Informationen verwenden können.
Der Registrierungslink führte zunächst zu einer gefälschten Zoom-Meetingseite, was eine weitere Abweichung zwischen Einladung und Ziel schuf. Diese Seite bot Single-Sign-on-Optionen von Google oder Microsoft an. Dark Reading berichtete, dass die Google-Option kein Passwort abfragte, wodurch eingeschränkt war, was dieser Teil des Ablaufs zur Abgreifung von Zugangsdaten erfassen konnte.
Cofense-Forscher Jacob Malimban sagte Dark Reading, dass der Angreifer ab dem 28. Oktober von der Imitation Zooms zur Nachahmung der Anthropic-Website wechselte.
Wie der Phishing-Ablauf die Prüfung behindert
Cofense identifizierte mehrere Merkmale, die erklären könnten, warum die E-Mails Sicherheitsprodukte passieren konnten. Die gemeinsam genutzte Absenderadresse von GoTo Webinar verleiht den Nachrichten eine legitime Zustellquelle, während eine mit Zapier verkürzte Registrierungs-URL die Zieldomain einer unmittelbaren Prüfung entzieht.
Zwei CAPTCHA-Prüfungen erschweren die Abwehr. Ein Cloudflare-CAPTCHA erscheint vor der gefälschten Zoom- oder Anthropic-Seite und soll automatisierte Scanner ausbremsen. Eine zweite Prüfung liegt zwischen dieser Seite und der gefälschten Single-Sign-on-Seite.
Malimban beschrieb die zweite Prüfung als Mechanismus, der in einigen Phishing-Kits bereits eingesetzt wurde, um automatisierte und menschliche Analysewerkzeuge zu erkennen, Proxy-IP-Adressen zu identifizieren und den Zugriff über VPN-Dienste und Tor-Browser zu blockieren. Diese Hürden können es Sicherheitstools und Ermittlern erschweren, die Seite zur Abgreifung der Zugangsdaten zu erreichen.
Cofense konnte nicht bestätigen, ob generative KI bei der Erstellung der Kampagne geholfen hat. Malimban sagte, Abweichungen zwischen den gefälschten Zoom-Seiten und das Auftreten der späteren Anthropic-Imitation deuteten auf deren Einsatz hin. Dabei handelt es sich weiterhin um eine Einschätzung und nicht um eine belegte Erklärung dafür, wie die Seiten erstellt wurden.
Für Unternehmen gilt dokumentiert: Diese Phishing-Nachrichten haben die genannten E-Mail-Schutzmechanismen passiert. Ein erfolgreicher Diebstahl von Zugangsdaten ist im beschriebenen Fall jedoch nicht belegt. Shane Barney, CISO von Keeper Security, sagte Dark Reading, Unternehmen sollten damit rechnen, dass Phishing-Nachrichten Mitarbeitende erreichen, und die E-Mail-Filterung durch Identitätsschutz ergänzen. Dazu zählen Least-Privilege-Zugriff, phishingresistente Multi-Faktor-Authentifizierung und Privileged Access Management. Malimban empfahl außerdem, Mitarbeitende im Erkennen und Melden von Phishing zu schulen, und Konten auf verdächtige Zugriffe zu überwachen.




