Zuvor autorisierte Anwendungen eröffneten Angreifern während einer Lieferkettenkompromittierung bei ConnectWise den Zugang zu Microsoft-365-Umgebungen von Kunden, so Microsoft. Das Unternehmen führt die Operation auf Storm-0940 zurück, eine mit dem chinesischen Staat verbundene Gruppe, die laut Microsoft ARTEX einsetzte, ein agentisches KI-Framework für Penetrationstests, um ihre Angriffe zu beschleunigen.
Die Erkenntnisse stammen aus dem Newsletter von Security Affairs vom 25. Oktober 2026. Weitere Meldungen betreffen Empfehlungen zur Abwehr der SafePay-Ransomware, Malware, die als Werkzeuge für Krypto-Gründer getarnt war, sowie eine Haftstrafe für einen Beteiligten an Hacking- und Betrugsmaschen.
ConnectWise-Kunden sollten Beweise sichern und Anwendungsaktivitäten prüfen
Organisationen, die die ConnectWise-Kompromittierung untersuchen, sollten Mandanten prüfen, in denen betroffene Integrationen zuvor autorisiert waren, auch solche, die sie inzwischen nicht mehr nutzen, so Microsoft in seiner Analyse vom 21. Oktober. Anwendungen sollten dabei anhand ihrer IDs identifiziert werden und nicht anhand ihrer Anzeigenamen.
Der Zugriffsmechanismus beruhte auf dem Vertrauen, das Anwendungen bereits eingeräumt worden war. Indem Storm-0940 kompromittiertes Authentifizierungsmaterial von Anwendungen missbrauchte, konnte sich die Gruppe ohne interaktive Benutzeranmeldung bei Kundenumgebungen authentifizieren. Microsoft berichtete über anschließende Microsoft-Graph-Aktivitäten, darunter Aufklärung, Änderungen an Anwendungsanmeldedaten und Versuche, Berechtigungen zu verändern, die den Zugriff ausweiten oder dessen Aufrechterhaltung unterstützen könnten.
Microsofts Zuordnung verbindet Storm-0940 mit der Kompromittierung einer mandantenübergreifenden ConnectWise-Anwendung. Im Rahmen der umfassenderen ARTEX-Kampagne der Gruppe, die Microsoft bereits im September 2026 beobachtete, wurden weltweit Hunderte Organisationen ins Visier genommen. Mehrere Angriffe verschafften sich privilegierten Cloud-Zugriff. In mehreren Fällen vergingen zwischen dem ersten Angriffsversuch und diesem Zugriff weniger als drei Stunden. Diese Ergebnisse belegen jedoch nicht den Ausgang für jede angegriffene Organisation oder jeden ConnectWise-Kunden.
Bei der ConnectWise-Operation beschrieb Microsoft, dass ARTEX bei Scans, Aufklärung, Password Spraying und dem Missbrauch von OAuth-Anwendungen half. Das Unternehmen erklärte, die Aktivität stamme nicht aus einer Verletzung oder Schwachstelle in den eigenen Systemen, Produkten oder Diensten von Microsoft.
Microsoft warnte außerdem davor, eine Offenlegung von Anwendungen oder eine erfolgreiche Authentifizierung des Angreifers mit einem bestätigten Zugriff auf Kundendaten oder deren Diebstahl gleichzusetzen. Umgekehrt belegt eine leere Suche in den Graph-Aktivitätsprotokollen nicht, dass nie ein Zugriff stattgefunden hat. Ermittler sollten diese Einträge zusammen mit Anwendungsberechtigungen und Nachweisen zur Authentifizierung von Service-Principals auswerten.
Die Eindämmungsempfehlung lautet, betroffene ConnectWise-Anwendungsverbindungen deaktiviert zu lassen, bis ConnectWise formelle Wiederherstellungsanweisungen gibt. Administratoren sollten Konfigurationen und Ermittlungsunterlagen sichern, bevor sie Unternehmensanwendungen löschen, ohne die dringende Eindämmung aufzuschieben, nur um Exporte abzuschließen. Microsoft empfiehlt, Aktivitäten ab mindestens 15. Oktober zu prüfen, die Suche nach Anmeldungen von Service-Principals dort, wo Protokolle vorhanden sind, bis zum 1. Oktober auszudehnen und frühere verwandte Aktivitäten zu untersuchen. Erfolgreiche und fehlgeschlagene Authentifizierungen sollten getrennt untersucht werden.
SafePay-Empfehlungen konzentrieren sich auf Einstiegspunkte und Kontrolle über Konten
Unternehmen und kritische Infrastrukturen in Nordamerika, Südamerika, Europa und Australien sehen sich seit August 2024 einer sehr aktiven SafePay-Operation gegenüber, so der Hinweis der CISA vom 20. Oktober.
Der Hinweis beschreibt mehrere Wege in das Netzwerk eines Opfers: Phishing, Diebstahl oder Erraten von Passwörtern sowie die Ausnutzung von Schwachstellen in Sicherheitssystemen. Nach dem Eindringen sichern sich die Angreifer die Kontrolle über neu angelegte oder übernommene Konten. Legitime Systemwerkzeuge unterstützen anschließend die Bewegung zwischen Systemen, die Suche nach wertvollen Dateien und Eingriffe in Sicherheitsvorkehrungen. Betroffene verlieren schließlich den Zugriff auf verschlüsselte Dateien und erhalten eine Forderung nach einer Zahlung in Kryptowährung.
Die empfohlenen Gegenmaßnahmen setzen an diesen Stufen an: bekannte und bereits ausgenutzte Schwachstellen schließen, besonderes Augenmerk auf öffentlich erreichbare Systeme wie Firewalls und andere Edge-Geräte legen, administrative Rechte und Werkzeuge einschränken sowie Identitäts- und Credential-Management stärken. Die Behörden fordern außerdem Multi-Faktor-Authentifizierung, insbesondere für Webmail, VPNs und den Zugriff auf kritische Systeme.
Die veröffentlichten Indikatoren wurden zwischen November 2024 und August 2026 beobachtet. Verteidigern wird empfohlen, den Kontext zu prüfen, bevor sie aufgeführte IP-Adressen oder Werkzeuge blockieren, da einige Dateien im Hinweis legitime Dienstprogramme sind.
Gefälschter Web3-Accelerator bot Audits an, die Malware verbargen
Eine weitere Operation nutzte den Anschein eines Start-up-Accelerators, um Krypto-Gründer dazu zu bringen, sich mit schädlichen Entwicklertools einzulassen. Das berichtete Elastic Security Labs am 12. Oktober.
Die Gruppe trat unter der Identität Apex Accelerator auf, baute monatelang eine öffentliche Präsenz auf und bot Sicherheitsaudits, Coding-Tools sowie kostenlose Claude- und Gemini-Guthaben an. Die Website Apex Arena gab an, mehr als 200 Portfolio-Projekte betreut und über 124 Millionen US-Dollar eingeworben zu haben. Elastic beschrieb gefälschte Bewertungen und eine Einladungsseite für eine beworbene Präsenzveranstaltung als weitere Versuche, Glaubwürdigkeit aufzubauen.
Eine Warnung zu @apexacc/cli war der Ausgangspunkt der Untersuchung durch Elastic. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass das npm-Paket bereits bei der ersten Veröffentlichung schädlich war und nicht erst durch die spätere Kompromittierung eines legitimen Pakets. Der Herausgeber veröffentlichte anschließend ein weiteres schädliches Paket, @apexacc/audit.
Elastic meldete Malware und Backdoors sowohl für macOS als auch für Windows, darunter CloudSyncD unter macOS und einen maßgeschneiderten Informationsdieb für Windows, der gestohlene Daten über Telegram übermittelte. Außerdem leitete ein neu verpackter, legitimer Coding-Agent Modellanfragen über eine von den Angreifern kontrollierte Infrastruktur weiter.
Die Audit-Funktion vermittelte eine trügerische Sicherheit. Die Forscher fanden bei allen 18 Tools in @apexacc/audit erfundene Ergebnisse. Zusätzlich reichten sie ein fiktives Projekt beim Remote-Bewertungsdienst ein, den @apexacc/cli nutzt. Es erhielt 51/100, obwohl der Dienst meldete, dass sein KI-Bewerter nicht verfügbar sei.
Einbrüche bei Steuerkanzleien führen zu achtjähriger Haftstrafe
Chukwuemeka Victor Amachukwu, 40, aus Nigeria, wurde nach Schuldeingeständnissen wegen Verschwörung zu Computereinbrüchen und Verschwörung zum Wire Fraud, also zum Betrug unter Nutzung elektronischer Kommunikation, zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Das U.S. Attorney’s Office für den Southern District of New York hat dies am 19. Oktober bekanntgegeben.
Laut der Darstellung der Staatsanwaltschaft, die sich auf Gerichtsakten und Aussagen stützt, reicht das Hacking-Schema gegen Steuerkanzleien mindestens bis etwa 2019 zurück. Mithilfe von Spearphishing gelangten die Mittäter in die Systeme US-amerikanischer Steuerberatungsunternehmen und stahlen Steuer- und Identifikationsdaten von mindestens etwa 800 Kunden. Insgesamt erbeuteten die Mittäter über alle Maschen hinweg gestohlene Identitätsdaten von Tausenden Menschen.
Mit betrügerischen Steuererklärungen wurden Erstattungen von mindestens etwa 8,4 Millionen US-Dollar beantragt. Davon wurden mindestens etwa 2,5 Millionen US-Dollar tatsächlich erlangt. Weitere betrügerische Anträge im Rahmen des Economic-Injury-Disaster-Loan-Programms der Small Business Administration brachten mindestens etwa 819.000 US-Dollar ein. Bei einem separaten Anlagebetrug gab sich Amachukwu als wohlhabender Finanzier aus Übersee aus, um nicht existierende Investments in Standby Letters of Credit zu verkaufen. Dieses Schema brachte ihm und seinen Mittätern mehr als 7 Millionen US-Dollar ein.
Das Urteil umfasst außerdem ein Jahr Bewährungsaufsicht (Supervised Release), Schadensersatz in Höhe von 3.647.629,39 US-Dollar und den Verfall von 10.846.634,39 US-Dollar.
Microsoft skizziert Kontrollen für KI-Agenten in Organisationen
Parallel zu den Meldungen über Vorfälle beschrieb Microsoft in einer Ankündigung vom 19. Oktober Erweiterungen von Project Perception zur Verwaltung unternehmensweiter KI-Agenten.
Die vorgeschlagenen Kontrollen weisen Agenten eigene Identitäten und Berechtigungen zu, die getrennt von denen der sie beauftragenden Mitarbeitenden sind. Microsoft beschrieb Dynamic Permissions, mit denen Befugnisse auf eine Aufgabe und deren Dauer begrenzt werden, Dynamic Agent Risk zur Neubewertung von Verhalten und Kontext sowie Dynamic Conditional Access, um Zugriffe anzupassen, während sich das Risiko verändert. Guardian Agents sollen Ermittlungen und Eindämmung unterstützen.
Dabei handelt es sich um Leistungsaussagen von Microsoft. Dem genannten Design zufolge liegt die Durchsetzung außerhalb des Modells. Unabhängige Kontrollen können so Ressourcen einschränken, Schreibrechte entziehen, eine verifizierte menschliche Freigabe verlangen oder einen Agenten bei Bedarf anhalten.




