Illustration mit KI erzeugt
tl;dv, der KI-Assistent für Meetings, setzt 180.000 Besprechungen offen: Live-Spionage möglich
Schwachstelle bei tl;dv: Fehlende Firestore-Regeln legen 180.000 Meetings offen. Angreifer können via Live-Spionage vertrauliche Gespräche belauschen.
Von künstlicher Intelligenz erzeugter Text, ohne menschliche Überprüfung veröffentlicht. KI-Transparenz
Der Sicherheitsforscher BobDaHacker hat eine gravierende Schwachstelle in der Zugangskontrolle von tl;dv (Too Long; Didn’t View) dokumentiert – dem KI-Assistenten, der Videokonferenzen aufzeichnet und transkribiert. Das auf Google Cloud Firestore basierende Backend der Anwendung lässt die Kollektion „meetings“ ohne Mandantentrennung: Jeder authentifizierte Nutzer kann die Metadaten sämtlicher Besprechungen auslesen, bei denen tl;dv aktiv ist. BobDaHacker zeigte anschließend, dass man sich mit diesen Metadaten als der Bot selbst in die Konferenz einwählen kann. Der Test war in 80 % der Versuche erfolgreich. Die Informationen wurden am 4. August 2026 öffentlich gemacht. Der Anbieter hat bislang nicht reagiert, und die Schwachstelle ist weiterhin aktiv.
Die Firestore-Datenbank ohne Regeln – eine offene Tür
tl;dv nutzt Firebase als Backend, um Informationen über Meetings zu speichern. Die Kollektion „meetings“ enthält IDs, Zeitangaben und Zugangsdaten jeder Videokonferenz, bei der der Bot anwesend oder eingeplant ist. Normalerweise würden Firestore-Sicherheitsregeln den Zugriff auf die Nutzer einer Organisation beschränken und die Mandanten voneinander isolieren. In diesem Fall wurde keinerlei Regel angewendet: Ein beliebig authentifizierter Nutzer kann die Kollektion uneingeschränkt durchsuchen und so die Metadaten aller Meetings auslesen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zum direkten Zugang zur Konferenz.
BobDaHacker rekonstruierte den Mechanismus, mit dem sich der Bot selbst einwählt, und zeigte, wie ein Angreifer die in den Metadaten enthaltenen Einladungstoken nutzen kann, um sich als tl;dv auszugeben. Das Kontrollsystem der Konferenz akzeptiert den gefälschten Bot und gewährt in 80 % der getesteten Anrufe Zugang. Die Methode funktioniert auf Zoom, Google Meet und Microsoft Teams – den Plattformen, in die tl;dv integriert ist. Es braucht keinen komplexen Exploit; ein paar API-Aufrufe und die fehlenden Firestore-Regeln genügen.
180.000 Meetings, 80.000 Nutzer, 23 Regierungen betroffen
Die Analyse der Metadaten zeigt das Ausmaß des Problems. BobDaHacker fand über 180.000 abgeschlossene Anrufdatensätze von mehr als 80.000 Nutzern. Unter den betroffenen Domains sind .gov-Adressen aus 23 verschiedenen Ländern – ein Hinweis darauf, dass tl;dv in Besprechungen öffentlicher Verwaltungen eingesetzt wird. In der Stichprobe finden sich auch große Unternehmen wie HubSpot und Mitsui Fudosan sowie Hochschulen wie die UC Berkeley und die Universität Tokio. Es handelt sich nicht um Test-Meetings: Die Metadaten beschreiben reale Arbeitsbesprechungen mit Datum, Teilnehmern und Plattformen.
Die Transkripte und Aufzeichnungen sind über diese Schwachstelle nicht direkt einsehbar. Doch der Echtzeitzugang zu einer Konferenz erlaubt es, vertrauliche Gespräche mitzuhören, proprietäre Informationen zu sammeln und in manchen Fällen auch als geheim eingestufte Gespräche abzufangen. Die Möglichkeit, Meetings systematisch zu durchsuchen, versetzt einen Angreifer zudem in die Lage, gezielt hochkarätige Ziele auszuwählen und sich auf Regierungs- oder Unternehmensnutzer zu konzentrieren.
Keine Antwort vom Anbieter – Nutzer allein gelassen
Der Forscher hatte tl;dv vor der öffentlichen Bekanntgabe kontaktiert, erhielt jedoch keine Antwort. Am 4. August 2026 ist die Schwachstelle weiterhin aktiv. Die öffentlichen Repositories der App zeigen keine Aktualisierungen der Sicherheitsregeln, und es wurde kein Patch veröffentlicht.
Für tl;dv-Nutzer besteht der einzige sofortige Schutz darin, den automatischen Beitritt des Bots zu Konferenzen zu deaktivieren – zumindest so lange, bis eine offizielle Korrektur vorliegt. Außerdem empfiehlt es sich, die Meeting-Logs auf unbefugte Teilnehmer zu prüfen und besonders auf Eintritte des KI-Assistenten zu ungewöhnlichen Zeiten zu achten. Auf Anbieterseite ist die Gegenmaßnahme einfach: Firestore-Regeln anwenden, die Lesezugriffe auf die Kollektion „meetings“ auf Nutzer der eigenen Organisation beschränken. Ein Schritt, der zur Grundkonfiguration hätte gehören müssen.
Quellen
Dieser Artikel ist eine eigenständige Aufbereitung auf Basis der folgenden Quellen.
