Illustration mit KI erzeugt
KI-gesteuerte PaperCut-Kampagne kompromittiert weltweit 395 Organisationen
KI-Agenten nutzten PaperCut-Lücken aus und kompromittierten 395 Organisationen in 48 Ländern, stahlen Zugangsdaten und erlangten Domänenadmin-Rechte.
Von künstlicher Intelligenz erzeugter Text, ohne menschliche Überprüfung veröffentlicht. KI-Transparenz
Ein vermutlich russischsprachiger Bedrohungsakteur setzte Hunderte von KI-Agenten ein, um verwundbare PaperCut-Server auszunutzen. Dabei wurden mindestens 440 Installationen von 395 Organisationen in 48 Ländern kompromittiert.
Die Kampagne begann am 31. August und richtete sich gegen PaperCut-NG- und PaperCut-MF-Installationen, die von zwei kritischen Schwachstellen betroffen waren. Die Angreifer erlangten Remote-Codeausführung, stahlen Zugangsdaten von 280 Opfern und erreichten in 12 Organisationen Domänenadministratorrechte.
GreyNoise stellte fest, dass die Operation OpenAI-Codex- und DeepSeek-Modelle mit Netlas, maßgeschneiderten Dienstprogrammen und frei verfügbaren Tools für offensive IT-Sicherheit kombinierte. Die KI führte keine grundlegend neue Exploit-Technik ein. Sie beschleunigte jedoch die Entwicklung von Exploits, die Aufklärung, Validierung, den Diebstahl von Zugangsdaten sowie die Rechteausweitung in Active Directory erheblich.
Hunderte KI-Agenten verkürzten den Zeitrahmen des Angriffs
Der Akteur soll mit einem leeren Entwicklungsarbeitsbereich begonnen und innerhalb von knapp vier Stunden Remote-Codeausführung gegen ein reales Opfer erreicht haben. Rund zwei Stunden später wurde der erste erfolgreiche Angriff auf ein Domänenadministratorkonto verzeichnet.
Nachdem die Ausnutzung auf breiter Front begann, wurden innerhalb von 26 Sekunden mindestens 11 Organisationen kompromittiert. An einer US-amerikanischen Highschool gelangten die Angreifer innerhalb von sieben Minuten vom ersten PaperCut-Zugriff zu vollständigen Domänenadministratorrechten.
Diese Geschwindigkeit verkürzte den Zeitraum zwischen der Identifizierung eines verwundbaren Servers und der Kompromittierung der zugehörigen Windows-Domäne erheblich. Herkömmliche Annahmen zur Reaktion auf Vorfälle, nach denen Verteidiger zwischen den einzelnen Angriffsphasen mit Stunden oder Tagen rechnen, trafen nicht mehr zu.
Die Agenten halfen dabei, Exploits zu erstellen und zu verfeinern, Ziele zu generieren, Payloads zu testen und Aufgaben der Kampagne parallel auszuführen. Die unterstützende Umgebung umfasste:
- OpenAI-Codex- und DeepSeek-Modelle
- Netlas für Internetscans und die Erkennung von Assets
- Ligolo-ng für Tunneling
- Mimikatz und maßgeschneiderte Rust-Dienstprogramme zur Sammlung von Zugangsdaten
- BloodHound zur Kartierung von Active Directory
- Certipy und Rubeus für Authentifizierungs- und zertifikatsbezogene Angriffe
- Impacket und NetExec für Remote-Operationen und laterale Bewegungen
Der Akteur wies die Agenten außerdem an, 28 Länder zu meiden. Zu den ausdrücklich ausgeschlossenen Ländern gehörten Russland, China, Iran, die Ukraine, Belarus, Moldau, Brasilien und Südafrika. Diese Vorgaben waren unzuverlässig, und auch an einigen verbotenen Standorten wurden Opfer identifiziert.
Die Vereinigten Staaten wiesen die meisten Ziele auf, gefolgt vom Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien und Kanada. Auf den Bildungssektor entfielen 204 der 440 kompromittierten Installationen. Weitere betroffene Branchen waren Einzelhandel, professionelle Dienstleistungen, Immobilien, Gastgewerbe, IT-Anbieter, Managed-Service-Provider, gemeinnützige Organisationen, Bibliotheken, Fertigung und Versorgungsunternehmen.
Zwei PaperCut-Schwachstellen ermöglichten unauthentifizierte Codeausführung
Die Kampagne nutzte CVE-2026-81578 und CVE-2026-82078 aus, die PaperCut-NG- und PaperCut-MF-Versionen vor 24.1.9 betreffen.
Die Schwachstellen wurden am 27. August als Zero-Days offengelegt und am folgenden Tag behoben. Beide wurden am 31.08.2026 in den Katalog der bekannten ausgenutzten Schwachstellen von CISA aufgenommen. Damit war eine aktive Ausnutzung bestätigt und nicht nur ein theoretisches Risiko.
CVE-2026-81578 ist eine Schwachstelle bei der Zugriffskontrolle in der Webverwaltungsoberfläche der Produkte. Unter bestimmten Bedingungen können unauthentifizierte Anfragen an administrative Funktionen Backend-Aktionen auslösen, bevor die Zugriffskontrollen abgeschlossen sind. Ein externer Angreifer kann daher bestimmte Systemkonfigurationen ohne gültige Zugangsdaten ändern.
Die Schwachstelle hat einen CVSS-Score von 9.8 und den Vektor CVSS:3.1/AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H.
CVE-2026-82078 betrifft Dienstprogramme für Datenbankverbindungen, die Java-Datenbanktreiberklassen dynamisch instanziieren. PaperCut akzeptiert konfigurierbare Treibernamen, ohne sie auf eine genehmigte Allowlist zu beschränken. Ein Angreifer, der die entsprechende Konfiguration ändern kann, kann dadurch bereits im Klassenpfad der Anwendung vorhandenen Java-Bytecode mit den Rechten des PaperCut-Serverprozesses ausführen lassen.
Die zweite Schwachstelle hat einen CVSS-Score von 9.1 und den Vektor CVSS:3.1/AV:N/AC:L/PR:H/UI:N/S:C/C:H/I:H/A:H.
Obwohl CVE-2026-82078 für sich genommen erhöhte Berechtigungen erfordert, deuten Berichte über die Kampagne darauf hin, dass sich beide Schwachstellen kombinieren ließen, um die Authentifizierung zu umgehen und beliebigen Code aus der Ferne auszuführen. Die Schwachstelle bei der Zugriffskontrolle ermöglichte Änderungen an der Konfiguration, während das unsichere Laden von Klassen diese Kontrolle in Codeausführung umwandelte.
CISA setzte für US-Bundesbehörden eine Frist zur Behebung bis zum 14.09.2026. Die vorgeschriebenen Maßnahmen umfassen die Umsetzung der Abhilfemaßnahmen des Herstellers, die Befolgung der risikobasierten Patch-Leitlinien aus BOD 26-04 sowie den Abschluss der forensischen Triage der jeweiligen Behörde. Die geltenden Leitlinien für Cloud-Dienste müssen ebenfalls befolgt werden. Stehen keine Abhilfemaßnahmen zur Verfügung, weist CISA die Behörden an, das betroffene Produkt nicht weiter zu verwenden.
Aus dem PaperCut-Zugriff wurde eine Active-Directory-Kompromittierung
Die anfängliche Kontrolle über einen Druckmanagementserver war nur die erste Phase. GreyNoise beobachtete drei wesentliche Wege von der Codeausführung in PaperCut bis zum Zugriff auf die gesamte Domäne.
Beim ersten Weg extrahierten die Angreifer den LSASS-Speicher und geheime Informationen aus der Windows-Registry von domänenverbundenen PaperCut-Servern. Die ermittelten Passwort-Hashes wurden anschließend für Pass-the-Hash-Angriffe gegen Domänencontroller verwendet.
Der zweite Weg beruhte auf NoPac, einer Angriffskette zur Rechteausweitung in Active Directory, die CVE-2021-42278 und CVE-2021-42287 umfasst. Beide Schwachstellen haben CVSS-Scores von 7.5 und betreffen mehrere Versionen von Windows Server, darunter Windows Server 2004, 2008, 2012, 2016, 2019, 2022 und 20H2.
Beide NoPac-Schwachstellen befinden sich seit dem 11.04.2022 im CISA-KEV-Katalog. Für Bundesbehörden galt eine Frist zur Behebung bis zum 02.05.2022. Außerdem ist dokumentiert, dass sie bei Ransomware-Kampagnen eingesetzt wurden. Die von CISA vorgeschriebene Maßnahme besteht darin, die Updates von Microsoft zu installieren.
Der dritte Weg war direkter. Wenn PaperCut auf einem Domänencontroller lief oder ein Dienstkonto mit Domänenadministratorrechten verwendete, legten die Angreifer ein neues Konto an und fügten es der Gruppe „Domänen-Admins“ hinzu.
Jeder beobachtete Weg der Rechteausweitung umfasste letztlich DCSync-Aktivitäten. Bei dieser Technik wird das Replikationsverhalten eines Domänencontrollers imitiert, um Zugangsdaten abzurufen. Dadurch können die Angreifer eine vollständige NTDS.DIT-Datenbank mit den Passwortdaten der Domäne erlangen.
Das Bereitstellungsmodell beeinflusste somit maßgeblich die Auswirkungen. Wurde PaperCut mit Domänenadministratorrechten oder direkt auf einem Domänencontroller betrieben, wurde aus der Kompromittierung der Anwendung ein unmittelbarer Weg zur wichtigsten Identitätsinfrastruktur der Organisation.
Der Diebstahl von Zugangsdaten betraf Hunderte Opfer
Die Angreifer stahlen Zugangsdaten von 280 Opfern oder kompromittierten Hosts. Die veröffentlichten Zahlen unterscheiden sich bei der Frage, von wie vielen Systemen erfolgreich Geheimnisse des Betriebssystems oder der Domäne erlangt wurden: Ein Bericht nennt 147 Opfer, ein anderer 137 kompromittierte Hosts. Der Grund für diese Abweichung ist nicht bekannt.
Bei 12 Organisationen wurde der Zugriff auf Domänenadministratorebene bestätigt. Diese Kontrolle ermöglicht das Anlegen von Konten, Änderungen an Richtlinien, laterale Bewegungen, die Einrichtung von Persistenz sowie den Zugriff auf Systeme in der gesamten Windows-Umgebung.
Das endgültige Ziel der Kampagne ist weiterhin unklar. GreyNoise konnte nicht feststellen, ob der Akteur beabsichtigte, unmittelbar weitere Operationen durchzuführen oder den Zugriff an andere kriminelle Akteure wie Initial-Access-Broker zu verkaufen.
Der erlangte Zugriff hätte Datendiebstahl oder die Bereitstellung von Ransomware ermöglicht. Keines dieser Szenarien wurde jedoch als endgültiger Zweck der Kampagne bestätigt. Auch die Zuordnung bleibt begrenzt: Die operative Umgebung wirkte russischsprachig, doch es konnte keine bestimmte Organisation zweifelsfrei identifiziert werden.
Administratoren sollten exponierte Server als potenziell kompromittiert behandeln
Administratoren von PaperCut NG und MF sollten umgehend auf Version 24.1.9 oder höher aktualisieren und die Sicherheitsempfehlungen des Herstellers umsetzen. Installationen, die aus dem Internet erreichbar sind, haben dabei höchste Priorität.
Das Patchen schließt die Schwachstellen, entfernt jedoch keine Zugangsdaten, Konten oder Persistenzmechanismen, die vor dem Update eingerichtet wurden. Organisationen, die eine betroffene Version betrieben haben, sollten den Server und die zugehörigen Domänencontroller untersuchen, insbesondere wenn der PaperCut-Dienst über erhöhte Domänenrechte verfügte.
Reaktionsteams sollten nach Folgendem suchen:
- Zugriff auf den LSASS-Speicher oder Credential Stores der Registry
- Pass-the-Hash-Authentifizierung gegen Domänencontroller
- Hinweise auf die Ausnutzung von NoPac
- Unerwartete lokale Konten oder Domänenkonten
- Unbefugte Aufnahme von Konten in die Gruppe „Domänen-Admins“
- DCSync-Anfragen von Systemen, bei denen es sich nicht um Domänencontroller handelt
- Zugriff auf
NTDS.DIToder deren Exfiltration - Nicht genehmigte Tunnel oder Artefakte im Zusammenhang mit Ligolo-ng
- Ausführung von Mimikatz, Certipy, Rubeus, Impacket, NetExec oder maßgeschneiderten Tools zur Sammlung von Zugangsdaten
Zugangsdaten, auf die der PaperCut-Server zugreifen konnte, sollten geändert werden. Besonderes Augenmerk ist dabei auf Dienstkonten und privilegierte Domänenidentitäten zu richten. Administratoren sollten außerdem prüfen, ob CVE-2021-42278 und CVE-2021-42287 auf allen relevanten Windows-Server-Systemen behoben wurden.
Spezifische Netzwerkindikatoren, Dateinamen, Hashes oder Befehlszeilen der Kampagne wurden nicht veröffentlicht. Verteidiger müssen sich daher auf Verhaltensindikatoren, Identitätsprotokolle, Endpoint-Telemetrie, Ereignisse der Verzeichnisdienste und die forensische Untersuchung betroffener PaperCut-Hosts stützen.
Der KEV-Eintrag zeigt ein umfassenderes Problem beim Patch-Management
Die beiden PaperCut-Schwachstellen sind keine isolierten Neuzugänge im Katalog der von CISA erfassten ausgenutzten Schwachstellen. In den vergangenen 90 Tagen wurden sechs weitere Schwachstellen von Microsoft oder PaperCut in den KEV-Katalog aufgenommen: CVE-2026-85880 und CVE-2026-81963 am 08.09.2026; CVE-2019-1068 am 26.08.2026; CVE-2026-33824 und CVE-2026-55040 am 18.08.2026 sowie CVE-2026-68820 am 11.08.2026.
Diese Kampagne zeigt außerdem, wie alte Schwachstellen in der Identitätsebene die Auswirkungen einer neu ausgenutzten Anwendungsschwachstelle verstärken können. Selbst nach der Aktualisierung von PaperCut können ungepatchte Active-Directory-Systeme einen Weg zur Rechteausweitung offenhalten, wenn Angreifer bereits Fuß gefasst haben.
Die entscheidende operative Veränderung ist die Geschwindigkeit. Hunderte von KI-Agenten ermöglichten es einem einzelnen Akteur, Aufgaben parallel auszuführen, für die ansonsten ein größeres Team und ein längerer Entwicklungszyklus erforderlich wären. Bei exponierter Infrastruktur kann das sinnvolle Zeitfenster für Abhilfemaßnahmen inzwischen nur noch wenige Minuten betragen.
Quellen
Dieser Artikel ist eine eigenständige Aufbereitung auf Basis der folgenden Quellen.
In diesem Artikel behandelte CVEs
- CVE-2026-33824Kritisch9.8Double free in Windows IKE Extension allows an unauthorized attacker to execute code over a network.
- CVE-2026-81578Kritisch9.8An improper access control vulnerability exists in the web management interface of PaperCut MF and PaperCut NG. Under specific conditions, unauthenticated remote requests targeting administrative functions can trigger backend actions prior to the completion of access validation checks. This allows
- CVE-2026-55040Kritisch9.1Weak authentication in Microsoft Office SharePoint allows an unauthorized attacker to bypass a security feature over a network.
- CVE-2026-82078Kritisch9.1An unsafe dynamic class loading vulnerability exists in the database connection utilities of PaperCut MF and PaperCut NG. The application instantiates database driver classes based on configurable driver names without validating against an allowlist of approved drivers. If an attacker can manipulate
- CVE-2019-1068Hoch8.8A remote code execution vulnerability exists in Microsoft SQL Server when it incorrectly handles processing of internal functions, aka 'Microsoft SQL Server Remote Code Execution Vulnerability'.
- CVE-2026-81963Hoch7.8Improper link resolution before file access ('link following') in Windows Update Stack allows an authorized attacker to elevate privileges locally.
- CVE-2026-85880Hoch7.8Heap-based buffer overflow in Windows ALPC allows an authorized attacker to elevate privileges locally.
- CVE-2021-42287Hoch7.5Active Directory Domain Services Elevation of Privilege Vulnerability
- CVE-2021-42278Hoch7.5Active Directory Domain Services Elevation of Privilege Vulnerability
- CVE-2026-68820Hoch7.0Use after free in Windows Ancillary Function Driver for WinSock allows an authorized attacker to elevate privileges locally.
