Illustration mit KI erzeugt
ChatGPT für macOS zeichnet Computeraktivitäten auf und nutzt sie für das Training
ChatGPT für macOS führt Computer History ein, um Nutzeraktivitäten für KI-Training aufzuzeichnen. Datenschutzbedenken bei der Speicherung von Unternehmensdaten.
Von künstlicher Intelligenz erzeugter Text, ohne menschliche Überprüfung veröffentlicht. KI-Transparenz
Computer History erstellt eine Chronik der Aktivitäten
ChatGPT für macOS hat Computer History eingeführt. Die Funktion zeichnet die Aktivitäten des Nutzers auf und organisiert sie in einer Chronik, die von der künstlichen Intelligenz durchsucht werden kann.
Die Neuerung wurde am 16. August 2026 beschrieben. Das System soll ChatGPT und Codex dabei unterstützen, frühere Arbeitsschritte zu rekonstruieren, Informationen aus verschiedenen Anwendungen zu verknüpfen und unterbrochene Aufgaben fortzusetzen.
Die Funktion beschränkt sich nicht darauf, sich an eine einzelne Unterhaltung zu erinnern. Sie kann eine sequenzielle Darstellung der Aktivitäten auf dem Computer erstellen: welche Dokumente bearbeitet, welche Anwendungen verwendet und welche Schritte zwischen verschiedenen Diensten ausgeführt wurden.
OpenAI hat keine konkreten Versionsnummern der betroffenen macOS-Anwendung genannt. Daher sind weder die genau betroffenen Versionen noch die detaillierten technischen Voraussetzungen für die Aktivierung bekannt.
Wie die erfassten Ereignisse verwendet werden
Nach der verfügbaren Beschreibung erfasst Computer History keine Bilder, Videos oder Audiodaten. Stattdessen basiert die Funktion auf sogenannten „Ereignissen“ – strukturierten Aufzeichnungen der vom Nutzer ausgeführten Aktionen.
Damit unterscheidet sie sich von Werkzeugen, die hauptsächlich Bildschirmaufnahmen verwenden, etwa Microsofts Windows Recall. Das Fehlen von Screenshots verhindert jedoch nicht, dass komplexe Aktivitäten rekonstruiert werden können. Eine Abfolge von Ereignissen kann den Nutzungskontext mit beträchtlicher Genauigkeit offenlegen.
In einer Demonstration ermittelte die Anwendung das zuletzt bearbeitete Dokument, prüfte, ob es über Slack mit anderen Personen geteilt worden war, und erstellte eine Zusammenfassung der am Vormittag ausgeführten Aktivitäten.
Das System kann somit Daten aus unterschiedlichen Programmen und Websites miteinander verknüpfen. Eine Anfrage an ChatGPT oder Codex könnte sich auf eine Aufgabe beziehen, die in der aktuellen Unterhaltung nicht direkt sichtbar ist, sich aber anhand der lokalen oder mit dem Konto verknüpften Chronik rekonstruieren lässt.
Die Funktion wird außerdem als Werkzeug zur Empfehlung von Automatisierungen und zur Analyse der Arbeitsweise des Nutzers vorgestellt. Dafür muss sie genügend Informationen speichern, um wiederkehrende Abläufe, unterbrochene Aufgaben sowie Beziehungen zwischen Dokumenten, Personen und Diensten zu erkennen.
Das Hauptrisiko betrifft Datenschutz und Unternehmensdaten
Es wurde keine Software-Schwachstelle gemeldet und kein formaler Schweregrad vergeben. Für Computer History sind keine CVE-IDs bekannt, und die Funktion wird nicht als technische Kompromittierung beschrieben.
Das Problem betrifft vielmehr die Menge und Sensibilität der Informationen, die in der Chronik zusammengeführt werden können. Potenziell erfasst werden unter anderem:
- geöffnete oder bearbeitete Dokumente;
- Aktivitäten in Unternehmensanwendungen;
- über Slack vorgenommene Freigaben und geführte Unterhaltungen;
- besuchte Websites und ausgeführte Arbeitsschritte;
- Arbeitsgewohnheiten;
- nicht abgeschlossene Aufgaben;
- Verknüpfungen zwischen Daten aus verschiedenen Programmen.
Das Risiko steigt, wenn der Computer für berufliche Tätigkeiten verwendet wird. Eine Ereignischronik könnte interne Prozesse, noch nicht angekündigte Projekte, Quellcode, Kundeninformationen oder geistiges Eigentum offenlegen – selbst wenn keine Bilder oder Audioaufnahmen direkt gespeichert werden.
Ein weiterer Aspekt ist die Nutzung der Chronik als Trainingsmaterial. Die gesammelten Aktivitäten würden dann nicht nur zur Beantwortung von Fragen über die Vergangenheit dienen, sondern könnten auch in das Training des Systems einfließen. Für Unternehmen, Berater und Nutzer, die vertrauliche Inhalte verarbeiten, ist die Kontrolle über diese Daten daher besonders wichtig.
Die Funktion kann außerdem Zusammenhänge herstellen, die dem Nutzer bei der normalen Verwendung nicht auffallen. Ein in einer Anwendung geöffnetes Dokument, eine über Slack vorgenommene Freigabe und eine Suche auf einer Website könnten derselben Aktivität zugeordnet werden. Dadurch entsteht ein detaillierteres Profil, als es jeder einzelne Dienst für sich liefern würde.
Was über die Datenverarbeitung noch unbekannt ist
Die verfügbare Beschreibung klärt mehrere wesentliche technische Aspekte nicht. Unbekannt sind unter anderem das Format der Ereignisse, die Aufbewahrungsdauer, die Verschlüsselungsmechanismen und die Zugriffsmodalitäten für die Chronik.
Offen ist außerdem:
- ob die Daten ausschließlich auf dem Gerät oder auch auf entfernten Infrastrukturen gespeichert werden;
- welche Komponenten neben ChatGPT und Codex auf sie zugreifen können;
- ob es administrative Kontrollen für Unternehmensumgebungen gibt;
- wie die Chronik zwischen Nutzern und Geräten getrennt wird;
- ob eine Löschung auch bereits für das Training verwendete Kopien entfernt;
- welche Daten aus Anwendungen erfasst werden können, die nicht manuell ausgeschlossen wurden.
Dass das System keine Bilder, Videos oder Audiodaten verwendet, beantwortet diese Fragen nicht. Ereignisse können weiterhin Dateinamen, Webadressen, Anwendungsnamen, Empfänger von Freigaben und genügend Informationen enthalten, um eine vertrauliche Aktivität zu beschreiben.
Es wurden keine Indicators of Compromise, Verfahren zur Incident Response oder spezifischen Sicherheitsupdates bekannt gegeben. Nach den verfügbaren Informationen ist Computer History nicht im KEV-Katalog der CISA aufgeführt. Es handelt sich daher nicht um eine als aktiv ausgenutzte Schwachstelle katalogisierte Sicherheitslücke.
Wie sich die Exposition begrenzen lässt
Computer History wird als Opt-in-Funktion beschrieben und sollte daher nicht automatisch aktiviert sein. Für Nutzer, die sensible Daten verarbeiten, ist es am sichersten, die Funktion deaktiviert zu lassen, sofern kein konkreter Bedarf besteht.
Nutzer können außerdem:
- bestimmte Anwendungen ausschließen;
- einzelne Websites ausschließen;
- einzelne Einträge oder Elemente aus der Chronik löschen;
- Browserfenster im privaten oder Inkognito-Modus verwenden.
Laut Ari Weinstein, Product and Engineering Manager bei OpenAI, sollen private Tabs von der Funktion automatisch ignoriert werden. Unklar ist jedoch, ob dieser Schutz auch bereits erfasste Daten, im Hintergrund ausgeführte Prozesse oder von externen Diensten synchronisierte Informationen abdeckt.
Bei einem in Unternehmen eingesetzten Computer sollte zunächst festgelegt werden, welche Anwendungen und Domains nicht aufgezeichnet werden dürfen. Ein präventiver Ausschluss ist einer nachträglichen Löschung vorzuziehen – insbesondere, wenn die Chronik bereits zur Beantwortung von Anfragen oder für das Training verwendet worden sein könnte.
Außerdem empfiehlt es sich, die gespeicherten Einträge regelmäßig zu überprüfen, nicht benötigte Elemente zu entfernen und persönliche Aktivitäten möglichst von Tätigkeiten zu trennen, bei denen vertrauliche Informationen verarbeitet werden. Solange keine Details zu Aufbewahrungsfristen, Verschlüsselung und administrativen Zugriffen vorliegen, sollten Organisationen Computer History vor der Einführung als datenschutzrelevante Datenerfassungsfunktion bewerten.
Quellen
Dieser Artikel ist eine eigenständige Aufbereitung auf Basis der folgenden Quellen.
